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Integrationsfachdienst für die Beratung
von Arbeitgebern zum SBG IX

Beispiel 1

Einstellung eines schwerbehinderten Auszubildenden - eine überzeugende Lösung in der Bockholdt-Gruppe Dienstleistungs GmbH

Das Ziel.

Alexander Koratkewitsch sucht einen Ausbildungsplatz. Er ist jung, flexibel, motiviert und mit hellem Verstand, und er ist motorisch behindert. Schwerbehindert.

Herr Kutschenbauer, Leiter der Niederlassung Hamburg eines Unternehmens im Bereich Gebäudedienstleistungen, sucht einen Auszubildenden.

Der Weg.

Leningrad, 12. Juni 1983.
Alexander Koratkewitsch und sein Zwillingsbruder werden geboren. Beide Kinder kommen behindert zur Welt. Alexander ist stark gehbehindert und motorisch langsamer als „wir“. Die verlangsamte Motorik wirkt sich auch auf das Sprechen aus.

Alexander wächst in turbulenten gesellschaftlichen Umwälzungen auf, die UdSSR zerfällt, Gorbatschow kommt und geht. Veränderungen prägen das Leben von Alexander, Er entwickelt Flexibilität, Energie und Ausdauer, um zu bestehen und zusätzlich mit seiner Einschränkung zurecht zu kommen.

1996.
Mit dreizehn Jahren kommt Alexander Koratkewitsch nach Hamburg. Eine völlig neue Lebenssituation, eine neue Kultur, eine neue Sprache. In der Schule lernt er quasi „nebenbei“ noch Deutsch, dann absolviert er erfolgreich die Handelsschule und macht seinen Realschulabschluss.

Doch die Suche nach einem Ausbildungsplatz gestaltet sich zunächst schwierig, er hat einen Grad der Behinderung von 80 und ist auf einen Gehwagen angewiesen. Der erste äußere Eindruck ist geprägt von dieser Einschränkung, doch dieser Eindruck täuscht: Alexander Koratkewitsch hat eine gute und schnelle Auffassungsgabe, er hat Witz und denkt mit, schnell und genau.

Trotz starker Gehbehinderung und verlangsamter Motorik ist er von der Sowjetunion nach Deutschland gekommen und hat räumliche, kulturelle und sprachliche Barrieren überwunden und die Schule erfolgreich absolviert.

Aber die Barrieren, einen Ausbildungsplatz zu finden, scheinen absurderweise größer zu sein. Türen zum Beruf, und damit zur Selbstständigkeit, bleiben verschlossen. Zunächst.

Sommer 2006
Der Diplom-Ingenieur Helmut Kutschenbauer, Hamburger Niederlassungsleiter der Bockholdt Gebäudedienste KG, Niederlassung Hamburg, ruft bei uns an. Er sucht einen Auszubildenden für den kaufmännischen Bereich. Er möchte einem behinderten Jugendlichen eine Chance geben, und er möchte die Ausgleichsabgabe reduzieren.

Herr Kutschenbauer hat eine Vielzahl von erfolglosen Telefonaten hinter sich, aber er resigniert nicht.

Wir klären die Rahmenbedingungen des Ausbildungsverhältnisses. Wie sieht das Aufgabengebiet aus? Wie sind die räumlichen Verhältnisse? Welche Besonderheiten gibt es vor Ort? Welche Erwartungen haben Firma und Kollegen? Herr Kutschenbauer möchte zunächst ein bezahltes Praktikum vereinbaren, um auch selbst erste Erfahrungen zu sammeln.

Wir telefonieren mit diversen Kooperationspartnern und werden schnell fündig. Ein möglicher Bewerber ist Alexander Koratkewitsch. Er bewirbt sich und stellt sich bei Herrn Kutschenbauer vor. Es scheint zu passen. Menschlich und fachlich.

Räumlich nicht. Das Büro liegt im ersten Stock, einen Fahrstuhl gibt es nicht. Herr Kutschenbauer schafft einen „Firmenwagen“ für Herrn Koratkewitsch an, einen zweiten Gehwagen, der im ersten Stock parkt. Den anderen Gehwagen „parkt“ Alexander von nun an im Erdgeschoss. Die Treppe erklimmt er zu Fuß.

Die größten Barrieren scheinen überwunden.

Das Praktikum läuft von August bis Dezember 2006. Es funktioniert. Die Anforderungen schafft Herr Koratkewitsch. Die Kollegen schätzen und mögen ihn.

Der Ausbildungsvertrag soll geschlossen werden. Doch die Arbeitsagentur bezweifelt, ob Alexander Koratkewitsch die Ausbildung schaffen wird. Selbst dort muss Herr Kutschenbauer Barrieren überwinden, doch schließlich wird das Ausbildungsverhältnis finanziell unterstützt.

Im Januar hat Herr Koratkewitsch seine Ausbildung begonnen. Er ist stolz. Herr Kutschenbauer ist zufrieden mit den Leistungen seines hoch motivierten Auszubildenden. Und im Team gehört Alexander dazu.

Zur Zeit beträgt die einfache Fahrstrecke zu seiner Berufsschule 1,5 Stunden. Allein an den beiden Berufsschultagen hat Herr Koratkewitsch Fahrzeiten von 6 Stunden. Aber auch das hält ihn nicht auf.

Für Alexander Koratkewitsch wäre es extrem schwierig und unwahrscheinlich, eine vergleichbare berufliche Perspektive zu erlangen, wenn er seinen Ausbildungsplatz bei der Bockholdt Gebäudedienste KG nicht hätte.

Ein Beispiel - auch für Ihr Unternehmen?

Arbeitssituation in der Bockhold KG