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Beratung von Arbeitgebern
zur Teilhabe schwerbehinderter Menschen

Inklusion beim Zahnarzt - das MVZ Dentologicum geht neue Wege.

Erstmalig in Deutschland werden hörbehinderte junge Frauen zur Zahnmedizinischen Fachangestellten ausgebildet.

MVZ Dentologicum

Erstmalig in Deutschland werden seit dem 1. August 2012 eine gehörlose und eine schwerhörige junge Frau zur Zahnmedizinischen Fachangestellten ausgebildet. Dieses beispielhafte Projekt der Inklusion wird von der Zahnärztin Marianela von Schuler Alarcón im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Dentologicum in HH-Bahrenfeld durchgeführt und von BIHA unterstützt.

Als Frau von Schuler Alarcón von Venezuela nach Deutschland kam erfuhr sie persönlich, wie ausgrenzend es ist, nicht in der „üblichen“ Sprache kommunizieren zu können. Diese Erfahrung sensibilisierte sie für die Kommunikation gehörloser Menschen, die sie in einer entsprechenden Situation erlebte. Und sie erlernte kurzerhand, als sei das selbstverständlich, neben Deutsch noch eine weitere Fremdsprache, die Gebärdensprache.

Seit 2011 bietet sie ihre zahnmedizinische Versorgung gezielt gehörlosen Menschen an. Diese hatten damit endlich die Möglichkeit, mit „ihrem“ Zahnarzt zu sprechen, in einer häufig angstbesetzten Situation, in der die Unmöglichkeit, miteinander zu reden, ungleich belastender ist als im alltäglichen Leben.

Und als sei das nicht schon genug, entschied sich M. von Schuler Alarcón, nach Absprache mit den Gesellschaftern des MVZ, auch noch gehörlosen bzw. schwerhörigen jungen Menschen die Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten zu ermöglichen. Mit  einem selbstgedrehten clip wurde u.a. bei YouTube nach Auszubildenden gesucht. Als es dann losgehen sollte, wandte sich Janine Dunckelmann, Assistentin der Geschäftsführung im MVZ Dentologicum, an BIHA, da großer Unterstützungsbedarf herrschte, denn bei keinem der Betroffenen gab es Erfahrungen mit einem solchen Vorhaben:

Die Kolleginnen und Kollegen im MVZ mussten auf die neue Situation vorbereitet werden, eine „normale“ Berufsschule muss plötzlich inklusiv denken und arbeiten, die Berufsschullehrer standen und stehen vor einer großen Herausforderung, Prüfungen müssen angepasst werden, neue Gebärden sind zu entwickeln für Fachbegriffe, die es bislang in der Gebärdensprache nicht gibt, Assistenz am Arbeitsplatz muss organisiert werden, die soziale Integration in der Berufsschulklasse muss unterstützt werden und schließlich muss eine gute und reibungslose Zusammenarbeit aller Beteiligter organisiert werden.

Möglich wird dies alles auch, weil das Integrationsamt Hamburg sehr unbürokratisch, schnell und umfänglich dieses besondere Projekt und den Arbeitgeber, der sich dafür engagiert, unterstützt.

An einem von BIHA organisierten Runden Tisch kamen alle Partner zusammen, die Berufsschullehrer besuchten die Ausbildungsplätze im MVZ und verabredeten die Anpassung von Unterrichtseinheiten, Didaktik und Prüfungen, die Mitarbeiter im MVZ wurden vom Gehörlosenverband Hamburg  fortgebildet, das BUZ (Beratungs- und Unterstützungszentrum für körper- und sinnesbehinderte Jugendliche) wurde als zentraler Assistenzdienstleister eingeschaltet und ein Team von Gebärdensprachdolmetschern für Schule und Betrieb wurde aufgebaut.

 

Mit der Zahnärztekammer Hamburg wurde im Januar verabredet, die Prüfungen zur Zahnmedizinischen Fachangestellten so zu gestalten, dass diese ohne Benachteiligung auch von hörbehinderten und gehörlosen jungen Menschen bewältigt werden können. Beate Schmalmack, Ausbildungsberaterin der Zahnärztekammer Hamburg, wird dies in Zusammenarbeit mit dem BUZ umsetzen. Somit können jetzt erstmalig in ganz Deutschland hörbehinderte junge Menschen im MVZ Dentologicum diesen Beruf ergreifen.

 

MVZ Dentologicum